Saisonrückblick 2020

Bekanntlich stand für Monate erst einmal alles still. Keine Straßenläufe, keine Mai-Quali-Rallyes auf der Bahn, keine an sich für Juni geplant gewesene DM in Braunschweig. Auch die Laufteamathleten trainierten so gut es irgend ging weiter, um fit zu sein bei einer Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebes. Als sie Ende Juni, Anfang Juli kam, waren sie bereit, die einen mehr, die anderen weniger, aus verschiedenen Gründen:

 

Max Dieterich machte gleich ungeniert da weiter, wo er in der Halle aufgehört hatte: Anfang Juli donnerte er in Erfurt über 1.000 Meter eine 2:22:98 Minuten auf die Bahn als klarer Sieger vor hoch einzuschätzenden Konkurrenten. Ein Ergebnis, dass ihm am Ende des Jahres den zweiten Platz in der nationalen Bestenliste bescheren sollte über diese allerdings in diesem Jahr noch seltener als sonst gelaufene Strecke. Sein Trainingskumpel Kilian Grünhagen und er hechelten indes der Quali für die DM in Braunschweig Anfang August irgendwie hinterher, so dass am Ende der Start erst über die sogenannten Nachrückerlisten möglich wurde. Solche Sorgen hatten Julius Lawnik, Viktor Kuk und Sebastian Hendel nicht mit ihren Topzeiten aus dem Vorjahr, sie konnten sich in Ruhe auf Braunschweig vorbereiten. Bzw. hätten sie das können, wären da nicht hier und da Trainingsrückstände nach längeren Verletzungen oder Examensstress oder einfach eine fehlende Topform gewesen. Karsten Meier verzichtete aus letztgenanntem Grund und mit Blick auf eine hochkomplizierte Anreise aus Schweden auf die Teilnahme, verbunden mit der Aussage, dass das irgendwie keine richtige DM sein würde, ohne Zuschauer und so.

Deutsche Meisterschaften in Braunschweig

Kilian Grünhagen und Viktor Kuk liefen im Finale über 1.500 m bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig.  

So kam es dann auch am 6. und 7. August im zuschauerfreien, nur von Athletinnen und Athleten sowie von wenigen (nach einem Schlüssel pro Verein in jeweiliger Session startenden Sportlerinnen und Sportlern) zugelassenen Betreuerinnen und Betreuern und natürlich von dem lebenswichtigen Organisations-, Kampfrichter- und sonstigem Dienstleistungspersonal bevölkerten Eintracht-Stadion zu Braunschweig. In dessen brütender Hitze war schon sehr, sehr anders. So durften die Quotenbetreuer nur für den Wettkampf der „eigenen“ Athleten auf die streng abgeschirmten, disziplinmäßig verschiedenen Betreuerbereiche, zuvor an einem Sammelplatz zusammengeholt, vom Ordnungspersonal freundlich hinein- und unmittelbar nach dem Wettkampf wieder hinausbegleitet. Aber es war irgendwie auch ganz besonders und es gab unerwartet gute Leistungen. Auch und gerade auf den Mittel- und Langstrecken. So war die 800 Meter-Entscheidung bei den Männern die schnellste der gefühlt letzten 15 Jahren, jedenfalls in der Breite. Erneut mittendrin statt nur dabei: Julius Lawnik nach souveränem Start-Ziel-Sieg im Vorlauf. Allerdings mit einem etwas zu langsamen Angangstempo für die Finalhatz, die die Konkurrenten vom ersten Meter an veranstalteten. Das bedeutete viele Körner zum Aufholen bis zum Ende der Anfangsrunde und kostete wohl am Ende die nach der Hallenvizemeisterschaft erneut erhoffte Medaille. Der fünfte Platz in 1:49,41 Minuten war trotzdem mehr als respektabel und Lawnik fasste sein Rennen treffend zusammen: „Ich habe alles gegeben. Da hat man zufrieden zu sein.“ 

Sehr zufrieden sein konnte auch Kilian Grünhagen mit seinem ersten DM-Freiluftstart bei den Männern. Über 1.500 Meter qualifizierte er sich wie auch Viktor Kuk für den Endlauf, wenngleich mit etwas Glück, weil beide vom Sturzpech zweier Konkurrenten profitierten. Im Finale bot Grünhagen als Zehnter eine überzeugende Vorstellung und konnte damit die Motivation für weitere Rennen mit schnellen Zeiten finden: „Die 3:50 Minuten über 1.500 Meter knacke ich noch“. Das tat er nach einigen weiteren Annäherungsversuchen dann Anfang September in Pfungstadt. Und zwar deutlich mit einer Verbesserung seines Hausrekords um satte drei Sekunden auf 3:46,34 Minuten. Viktor Kuk hingegen fand im DM-Finale von Braunschweig gar keinen Zugang zum Rennen und beendete gänzlich ungewohnt einen DM-Endlauf als Letzter. Allerdings: „So kann ich nicht aufhören“, verkündete er (erneut) und will 2021 (wieder) angreifen, besonders mit dem Rückenwind einer erneuten DM im Eintracht-Stadion zu Braunschweig.

Bei Max Dieterich waren es fehlende Körner, die ihn die letzten zweihundert Meter so etwas wie einen Heldentod sterben ließen und ein erneutes Vordringen in den DM-Endlauf über 800 Meter verhinderten. Ganz ähnlich erging es Sebastian Hendel über 5.000 Meter, der nach langem Ärger u.a. mit der Achillessehne alles für den Start in Braunschweig versucht hatte, anfangs auch ordentlich mitmischte, jedoch nicht genug zuzusetzen hatte, als die Post abging. Ein Krampf beendete kurz darauf sein Rennen vorzeitig, was ihn sehr ärgerte: „Der erste richtige Start im neuen Trikot, dann auch noch in Braunschweig, und ich kriege einen Krampf. Das ist ein Krampf.“ 

Von zwei Landesmeistertiteln und anderen Erfolgsstorys

Platzierte sich ganz vorne in den DLV-Bestenlisten: Kristina Hendel

Und was machte Kristina Hendel in diesen Wochen? Nun, Kristina lief nach überstandener Herzmuskelerkrankung, die sie bis zum Jahresanfang 2020 über Monate hinweg an einem erstzunehmenden Training gehindert hatte, im Sommer viele Langstreckenrennen, von 3.000 Meter bis zum Halbmarathon alle Strecken inklusive der Hindernisse. Sie rannte in Kroatien und Tschechien, in Dortmund und in Berlin. Und sie lief serienweise Zeiten, die sie in die nationale Spitzengruppe brachten, der sie seit September 2020 auch als deutsche Staatsbürgerin angehört. Die DLV-Jahresbestenliste lügt bekanntlich nicht (es sei denn, sie nimmt trotz Meldungen Zeiten nicht oder unter falscher Nationalität auf): Sechsmal unter den TOP 20, davon viermal in den TOP 10 und davon zweimal auf Platz 5, nämlich über 3.000 Meter Hindernis in 10:10,33 Minuten und 5.000 Meter in 16:06,66 Minuten sind Argumente. Offen ist, welche Strecke Kristina in Braunschweig am 5. und 6. Juni 2021 in Braunschweig in Angriff nimmt. 

War das alles für diese Saison? Nein, denn es gab im September noch die NLV-Meisterschaften in Hannover. Die Marschroute für die noch saisonaktiven und startbereiten Athleten des Laufteams lautete, dass sie alle Strecken abdecken sollten. Das befolgten sie. Kilian Grünhagen lief da noch immer, diesmal über 1.500 Meter weit vorweg zum Titel mit fast vier Sekunden Vorsprung. David Brecht tat es ihm gleich und hatte knapp drei Sekunden Vorsprung vor Senior Joseph Katib bei der erfolgreichen Titelverteidigung über 5.000 Meter in 14:48,06 Minuten. Tim-Niklas Schwippel als Fünfter und Henrik Wagner als Siebter untermauerten die LG-Dominanz auf dieser Strecke. Und auch Viktor Kuk zeigte sich noch einmal mit einem zweiten Platz über 800 Meter knapp hinter dem im abgelaufenen Jahr erneut starken Maxi Pingpank aus Hannover. 

Zu guter Letzt gab es noch einen pfeilschnellen 10km-Strassenlauf in Berlin mit einem Stelldichein der deutschen Spitze. Mittendrin statt nur dabei war David Brecht. Der unterbot seine bisherige Bestzeit als Fünfter seines Laufs um satte 78 Sekunden und freute sich diebisch über seine erzielten 30:27 Minuten. „In der zweiten Hälfte des Rennens ging es immer besser, vor allem die letzten zwei Kilometer waren deutlich schneller als vor zwei Wochen bei den Landesmeisterschaften über die halbe Strecke auf der Bahn“, kommentierte der Student seine Leistung. Ihm kaum nach stand sein Wohngemeinschaftskollege Tim-Niklas Schwippel. Der Fünfte der Deutschen Marathon-Meisterschaften 2019 lief mit 30:38 Minuten die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. Nach (zu) hartem Training lief es dagegen nicht richtig rund für Joseph Katib, der sein Ziel mit 31:33 Minuten deutlich verfehlte.

David Brecht lief in Berlin in 30:27 min eine 10 km-Bestzeit.                                            Foto: Wilhelmi

Das Jahresfazit fällt statistisch für das kleine Laufteam innerhalb der LG Braunschweig durchaus erfreulich aus: Bis auf die Ränge drei und acht schafften die Athleten trotz einiger Ausfälle den kompletten Satz der Finalplatzierungen eins bis acht bei Deutschen Meisterschaften. Weniger erfreulich ist natürlich, dass David Brecht und Tim-Niklas Schwippel im Jahr 2021 nicht mehr im Laufteam sind. Sie haben sich wie so viele andere Athleten landesweit in Richtung des Laufclubs Braunschweig verabschiedet, gemeinsam mit Andreas Kuhlen, unserem Oldie mit Senioren-DM-Titeln in Serie, zuletzt in 2020. 

Gleichwohl: Das Laufteam lebt und wird weiter präsent sein in 2021, wenn auch ohne die Öffentliche Versicherung Braunschweig als Sponsor. Die hat sich nach zahllosen Jahren nämlich aus dem Sponsoring der LG Braunschweig vereinbarungsgemäß verabschiedet. Ihr und dort ganz besonders dem der Leichtathletik zugewandten Karsten Jeschke gebühren ein ganz herzlicher Dank für die langjährige Treue. Aber es gibt noch den Münzgroßhandel Mietens mit Ulf Mietens, der unverändert besonders stark zur LG und zum Laufteam steht. Und neuerdings auch das Ingenieurbüro BWI, dessen Mark Bartel sich engagiert. Zusammen mit einigen weiteren privaten Förderern ist damit die Basis für eine Fortsetzungsgeschichte auch in 2021 geschaffen. Zu Sebastian, Karsten, Joseph und Kristina, über Julius, Max, Viktor und Kilian, aber auch zu allen anderen sollte es im neuen Jahr wieder manches zu berichten geben. Soweit Corona das zulässt. 

Der Versuch einer Wettkampfplanung fällt allerdings derzeit noch vage aus. Natürlich kann man sich Landescrossmeisterschaften Anfang Februar vornehmen, auch die DM Halle in der zweiten Februarhälfte und erst recht die DM Cross in der ersten Märzhälfte. Immer auch mit dem Blick auf TOP-Mannschaftsergebnisse. Alle Athleten wollen das, man könnte auch sagen, dass sie finster entschlossen sind. Aber ob es dazu wirklich kommt, weiß niemand. Bisher gibt es nur Termine, jedoch nicht eine Ausschreibung. Die Laufteam-Athleten bleiben dennoch gerüstet.