Berichte

Krater, Krebsgang und Massensterben

Sören, Viktor, Timon, Tim und die Staffeln in den Finals

​Sören Ludolph.                   Foto: Kiefner
Ulm, 6. und 7. Juli 2013 - Rostock, 26. - 28. Juli 2013
 
Wie der bisherige Saisonverlauf zeigt, steht unser DM-Medaillengarant der vergangenen Jahre Sören Ludolph unter dem Einfluss des sogenannten nacholympischen Tiefs. Das ist ähnlich dem aus der Meteorologie bekannten nordatlantischen Tief ein regelmäßig hereinbrechendes Phänomen. Der Olympionike kommt im Jahr nach Olympia automatisch in eine Formdelle, die bei Sören aus beruflichen Gründen (Examen) das Maß allerdings überschritten hat und zu einem Krater in der Größenordnung zwischen Klamm und Kluft angewachsen ist. Der ohnehin späte Beginn seiner Vorbereitung nach viermonatiger Trainingspause wurde durch Verletzung beim Neustart nochmals verzögert. Beim zweiten Anlauf im Februar musste er von ganz unten anfangen, bei der Fundamentplatte sozusagen. Schnell wurde ihm und Trainer Jörg Voigt klar, dass die Renovierungsarbeiten an der Form bis in das Jahr 2014 dauern würden.
Zur Teilnahme an der DM in Ulm entschied er sich nach einem passabel abgeschlossenen Tempoprogramm eine Woche vor dem Termin. Die fehlende Norm wurde bei ihm als TT-Kader (Topteam) durch freundliches Kopfnicken des zuständigen Bundestrainers ersetzt.
Im Wettkampf zeigte das Fundament zunächst Stabilität: Sörens 1:49,22 Minuten über 800 Meter war die drittbeste Vorlaufleistung aller Teilnehmer. Für zwei Belastungen innerhalb von 24 Stunden war es (das Fundament) aber noch zu dünn. In einem verrückten Finale, das unser Frankfurter Freund und Fitnessfan Tesfaye Homiyu in Weltrekordtempo anging (49,66 Sekunden für 400 Meter), kam es zu einem Massensterben, bei dem Sören mit besonders drastischem Tempoverlust eine Hauptrolle spielte und vom vierten auf den neunten Platz zurückfiel (1:51,56 Minuten). Sieger wurde Robin Schembera, der auf den letzten Metern und auf der allerletzten Rille an Homiyu vorbei krebste. Homiyu blieb nach dem Rennen im Zielbereich auf der Bahn liegen. Diesmal nicht wie in Göttingen in der Bauchlage, von der aus er seinerzeit Liegestütze machend die Konkurrenten empfing (siehe unten), sondern in der Rückenlage. Hat sich der knapp Unterlegene verletzt? Er ließ sich noch auf der Bahn behandeln und lief kurz danach in Belgien Bestzeit und WM-Quali über 1500 Meter. Einfach Weltklasse, unsere medizinische Erstversorgung!
Zurück zu unseren eigenen Patienten: Viktor Kuk war mit Rang 10 über 1500 Meter in 3:50,08 Minuten weniger zufrieden als Karsten Meier, der im Rennen über 5000 Meter bei sommerlicher Hitze als Fünfzehnter mit 14:42,84 Minuten die zweitbeste Zeit seiner noch jungen Laufbahn ablieferte. Die 3 x 1000-Meter Staffel der U20 mit Patrick Bittner, Tim-Niklas Schwippel und Timon Schaare steigerte sich im Vorlauf um über 10 Sekunden auf 7:42,35 Minuten und pendelte im Finale als Zehnte (leicht übermotiviert?) in 7:51,40 wieder auf das Ausgangsniveau zurück.
Ähnlich verhielt es sich mit der Männerstaffel drei Wochen später in Rostock. Nach der zweitbesten Vorlaufzeit von 7:21,24 Minuten für Martin Schwerdtfeger, Viktor Kuk und Sören Ludolph keimten Hoffnungen auf einen Podestplatz auf, die im Finale (mit Fabian Brunswig für Martin Schwerdtfeger) von der Realität untergepflügt wurden. Das LG-Trio belegte in 7:19,94 Minuten Platz sechs und fuhr dieses Mal ohne Medaille auf der Hutablage nach Hause (Platz 6 in 7:19,94 Minuten).
Timon Schaare (U18) und überraschend auch Tim-Niklas Schwippel (U20) qualifizierten sich jeweils mit Bestzeit von 4:04,71 beziehungsweise 4:04,53 für die Finals über 1500 Meter. Sie erlebten dann erstmals das Hauen und Schubsen eines DM-Endlaufs und konnten mit 4:13,73 (Timon, Rang 9) und 4:07,92 (Tim, Rang 12) ihre Steigerungen noch nicht gleich bestätigen. Als Angehörige der Jahrgänge 97 (Timon) und 95 (Tim) gehören beide  nächste Saison noch ihren jetzigen Altersklassen an. So haben sie nach dem Lehrjahr 2013 bei der DM 2014 die Möglichkeit, ihre gemachten Lernerfahrungen im Gebrauch von Ellenbogen und Unterarmen  noch in der U18 beziehungsweise U20 umzusetzen.

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