Gold für Fate, Silber für Sören

Deutsche Meisterschaften in Kassel (18./19.06.): Klammergriff - Schleudergang - Bumerang

​Andreas Lange und Sören Ludolph im Finale über 800 m der Männer; kurz nachdem Benedikt Huber (vorne) zu Gold enteilte.             Foto: Theo Kiefner

Die Titelkämpfe in Kassel hatten kaum begonnen, da waren sie für vier von sieben Laufteam-Athleten auch schon zu Ende. Das Jugend-Staffeltrio David Brecht, Henrik Wagner und Max Dieterich wurde von Davids Abiturfeier am Vorabend an der Entfaltung seiner Fähigkeiten gehindert. Dass  David seinen Staffelplatz im Vorfeld räumen wollte, spricht dabei für ihn. Er wusste wohl auch genau, warum er seinen Verzicht anbot: Er gab zwar alles, das war unter den gegebenen Umständen aber viel zu wenig. So übergab er mit maximalem Rückstand auf den Rennplan an Henrik, der das Minus vor lauter Schreck verdoppelte, ehe Max das Elend zum Ende brachte. Die Zeit von 7:55 und der zwölfte Platz lagen 20 Sekunden beziehungsweise sechs bis acht Ränge hinter den (nüchtern errechneten)  Erwartungen.

Es war ein bisschen viel an Solidarität, dass sich wenige Minuten später Viktor Kuk diesem Niveau anpasste. Er war über 1500 Meter außer Form, schied erstmalig seit langem in einem DM-Vorlauf  aus und begab sich zur Strafe an den heimischen Schreibtisch, wo ein Referat auf ihn wartete.

Über 800 Meter waren die Vorläufe von Sören und Andreas dann Balsam auf die Wunden der Laufteam-Fans. Beide kamen mit lockeren Vorstellungen in das Finale, wo dann allerdings der nächste Schocker auf sie wartete. Der hieß Mark Reuther und verwechselte sich auf den letzten 250 Metern mit Rambo. Zunächst schleuderte er Kraft seiner  Dominanz auf der Gegengeraden mit  schwungvollem Armeinsatz Andreas von der Bahn, und eingangs der Zielgeraden  bekam er dann auch Sören zu fassen. Er nutzte ihn als Zughilfe, baute damit dessen Widerstandskräfte allerdings erst richtig auf. Sören rang den Minirambo nieder und wurde  Zweiter hinter Benedikt Huber, der mit seiner Start-Ziel-Taktik außerhalb von  Rambos Reichweite lag. Mit einer Verspätung von 30 Sekunden und um eine Erfahrung reicher kam dann auch noch Andreas Lange  ins  Ziel.

Das Rennen über 5000 Meter der Frauen dominierte die frisch mit Deutschem Pass versehene Fate Tola in 15:30,35 Minuten so deutlich, dass Bundestrainer und Funktionäre nach dem Rennen einen Wettlauf zu ihr veranstalteten und ihr die Botschaft überbrachten, dass sie mit ihrem eindrucksvollen Start-Ziel-Sieg trotz knapp verpasster Quali (15:30,00) zur EM nach Amsterdam reisen dürfe.

Leider verstanden Fate und Ehemann Musa das insofern falsch, als dass sie glaubten, man wolle sie ausschließlich über 5000 Meter in Amsterdam sehen. Trotz Zuredens aus Braunschweig wollten sie die Gunst der DLV-Oberen nicht auf das Spiel setzen und verzichteten auf das eigentlich noch geplante Vorhaben, in Hengelo die 10.000m-Norm zu knacken. Ihr Versuch, in der bis Amsterdam verbleibenden Zeit sich an das Laufen in Spikes zu gewöhnen, scheiterte.  Ergebnis: Die Wade zuckte.

Fate und Sören bei der EM in Amsterdam - Hallo und Goodbye

​Fate Tola.                               Foto: Theo Kiefner

Bei der EM rannte Fate dann wieder in ihren Straßentretern. Die Wade nahm die vorausgegangene Pein aber noch übel und stach bei Kilometer vier ganz gemein zu. Sie konnte den zwischenzeitlich erarbeiteten Platz in der Spitzengruppe nicht halten und fiel zurück. Statt Quali für Rio war nun Reha angesagt. Die 5000-Meter-Aktion des DLV erwies sich als gut gemeint, war aber doch ein Bumerang. Immerhin aber war der Auftritt in Amsterdam der Beginn ihrer internationalen Karriere im DLV-Trikot.

Über 800 Meter gab es für Sören ein Déjà-vu-Erlebnis. Wie vor vier Jahren in Helsinki sah er im Vorlauf richtig gut aus und wie schon in Helsinki hatte er im Halbfinale keine Chance mehr. Das schmälert seine diesjährige Gesamtbilanz in keiner Weise:  Sören gelang als Routinier ein für 800-Meter-Läufer seltenes Comeback  und zum Abschluss seiner Karriere noch einmal der Sprung in die Nationalmannschaft. Chapeau!

​Sören Ludolph.                     Foto: Theo Kiefner

Happy-End für Viktor, David, Max und Henrik?

Rennen in Kortrijk/Belgien (09. Juli) und in Rostock (16. Juli):  Bestzeiten und Titel vor den Saisonhöhepunkten

​Medaillenränge für Henrik Wagner (v.l.), Wiebke Wagner, Max Dieterich und David Brecht bei den Norddeutschen Meisterschaften in Rostock.                     Foto: Dieterich

Die DM war eine bittere Zäsur für Viktor, der aber nicht lange grübeln konnte, seine Univerpflichtung erfüllte und dann in Kortrijk (Belgien) bei einer EM-Parallelveranstaltung mit Jahresbestzeit von 3:46,84 Minuten als Viertplatzierter im B-Lauf über 1500 Meter seine alte Form unter Beweis stellte.

Eine Woche später bei der U20-NDM  rehabilitierten sich dann auch unsere -Staffel-Youngster: Der noch der U18 angehörende  Max gewann mit fulminantem Endspurt die 800 Meter, verbesserte sich dabei um über eine Sekunde auf 1:54,96 Minuten und hörte neben den Glückwünschen danach  Kommentare wie: „Das hätte keiner gedacht“ oder (von der Wortbedeutung her ein wenig blöde): „Wo kommt denn plötzlich der kleine Braunschweiger her“? Aus Braunschweig natürlich! 

David legte einen lockeren Sololauf über 3000 Meter in Bestzeit von 8:52,12 Minuten hin und Henrik kam auf der gleichen Strecke mit dem Bronzeplatz und ebenfalls PB (8:56,60min) nach Hause.

Ist das nun ein gutes Omen für die U20- und U18-DM Ende Juli in Mönchengladbach? Dort werden einschließlich der Männerstaffel wieder sieben Laufteam-Athleten vertreten sein. Bald wissen wir mehr.

Dranbleiben.